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Biogas-Anlage in Brokstedt abgesagt So eine Aufregung hat unser kleiner Ort wohl schon lange nicht mehr gesehen: am 19. Mai war das Bürgerhaus voll. Selbst Presse und Fernsehen berichteten von der Brokstedter Gemeindevertreter-Sitzung. Die Gemeindevertretung hatte darüber zu entscheiden, ob der Flächennutzungsplan für die Ackerfläche „Holm“ an der L295 nach Borstel, gegenüber dem Wasserwerk, geändert werden sollte, um den Bau einer Biogas-Anlage zu ermöglichen. Eigentümer der Fläche ist der Brokstedter Bürgermeister Clemens Preine, der zusammen mit dem Lohnunternehmer Hartmut Brockmann und der Hamburger Firma Greenstream die Anlage bauen und betreiben wollten. Die erste Abstimmung hatte schon im März stattfinden sollen. Allerdings taten sich die Gemeindevertreter mit der Entscheidung schwer. Auf der einen Seite sind wir sicher alle für nachhaltige und umweltschonende Energieerzeugung – auf der anderen Seite sind aber gerade Biogas-Anlagen mit einer Reihe von Nachteilen behaftet, die diese Technologie insgesamt umstritten erscheinen lassen. Als Hauptkritikpunkte kristallisierten sich dabei die Themen Verkehrsbelastung für Brokstedt und Änderung des Landschaftsbildes durch den überwiegenden Anbau von Mais heraus. Die AFW-Fraktion setzte sich dafür ein, dass die Bürgerinnen und Bürger ausführliche Information und Mitsprachemöglichkeit erhalten sollten. Zunächst sollten alle Interessierten die Möglichkeit zur Besichtigung einer ähnlichen Anlage in Brokenlande erhalten, um sich selbst ein Bild zu machen. Bei zwei Terminen nahmen rund 50 Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit dazu wahr. Danach sollte auf einer Einwohnerversammlung am 04. Mai die Stimmung im Dorf eingefangen werden. Diese war zwar gut besucht, allerdings längst nicht so gut wie die anschließende Gemeindevertretersitzung am 19. Mai. Zwischen den Sitzungen hatte ein Ehepaar aus dem Siek einen Protest organisiert. Man verteilte Flugblätter, schrieb einen offenen Brief an die Gemeindevertreter, sammelte Unterschriften und sorgte für große Öffentlichkeit. Die Mitglieder der AFWFraktion haben sich die Sache nicht leicht gemacht. Viele Gespräche wurden geführt und viel wurde gelernt. In akribischer Kleinarbeit wurden die Argumente gesammelt, bewertet, abgewogen und schließlich eine Entscheidung über das eigene Abstimmungsverhalten getroffen. Wesentlich war dabei vor allem der Interessenkonflikt mit den direkten Anwohnern der geplanten Anlage. Der Bau hätte bedeutet, dass für den Gewinn einiger weniger, nämlich der Betreiber der Anlage, die direkten Anwohner zum Teil erhebliche Verluste im Wert ihrer Grundstücke hätten hinnehmen müssen. Im Fall eines Anwohners hätte dieser Verlust belegbar mehrere hundertausend Euro ausgemacht. Die AFW lehnt die Änderung des Flächennutzungsplan einstimmig ab. Zur Abstimmung in der Gemeindevertretung kam es allerdings nicht mehr, weil Clemens Preine zu Beginn der Sitzung seinen Rückzug aus den Biogasplänen bekannt gab und daher die Punkte von der Tagesordnung genommen wurden. Die stattdessen angesetzte Aussprache über das Thema zeigte indes, wie emotional inzwischen die Diskussion geworden war. Ob die Anlage ohne den Protest genehmigt worden wäre, lässt sich nur spekulieren, zumal die CDU intern offenbar vorher nicht abgestimmt hat. Insgesamt zeigt der Vorgang aber, dass die Bürgerbeteiligung in Brokstedt funktioniert und ist somit ein Stück gelebte Demokratie. Hier die bisherige Berichterstattung Carsten Ritter
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